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Das Mietwagendesaster – oder eine der schönsten Reisen meines Lebens. Ein Urlaub mit viel und ohne Her(t)z.

Donnerstag, 2018-10-11 12:00, Eintrag von Diana
Kategorien: privater Zauber



»Wir bekommen das Auto nicht!«, ist wohl der letzte Satz, den du nach über einem halben Tag anstrengender Reise mit Kleinkind hören möchtest. Niemand von uns wollte diesen Satz hören oder aussprechen müssen, denn unsere Schottlandreise war komplett mit dem Auto geplant. Es gab nur einen einzigen Ort auf der Route, an dem wir überhaupt zwei Nächte hintereinander verbringen wollten. Die öffentlichen Verkehrsmittel auf den äußeren Hebriden, sind nicht gut ausgebaut und die Strecke zu Fuß natürlich viel zu weit für eine Woche und dafür fehlte auch die Ausrüstung.
Wir waren also in Glasgow gestrandet. Obwohl der Mietwagen bereits komplett bezahlt war und wir die Selbstbeteiligung in Bar hätten hinterlegen können. Es fehlte die Kreditkarte des Fahrers. Eine andere wollten sie nicht. Nach Überwindung der Schockstarre und einer Vielzahl fruchtloser Versuche bei anderen Mietwagenunternehmen stornierten wir das Auto. Ohne zu wissen, wie es von da aus weitergehen würde, fuhren wir die vier Stunden mit dem Zug zu unserer ersten Unterkunft. Laut Internet gab es in dem sehr viel kleineren Fort William überhaupt keine Mietwagenunternehmen – einfach mal mutig sein!
Nachdem der archaisch anmutende Zug von ScotRail zweimal anhalten musste, da ein lautes Geräusch in der Mitte unseres Abteils unsere Mitreisenden besorgte, kamen wir im Dunkeln und mit zusammengetüddeltem nicht näher definiertem lockeren Eisenrohr am Bahnhof an. Der Fußweg zum B&B war zum Glück nicht lang. Am anderen Morgen erwachten wir dort im Schatten des Ben Nevis, dem höchsten Berg Schottlands mit einem umwerfenden Blick über Seen und Berge der westlichen Highlands – ohne eine Ahnung wie wir unsere Reise nun fortsetzen sollten. Und dann geschah das Wunder: Die unfassbar freundlichen Besitzer des Gästehauses, die bereits im Vorfeld mit uns erstaunliche Geduld bewiesen hatten, buchten für uns ein Auto über ihre eigene Kreditkarte. Gibt es das wirklich? Wir waren zu Tränen gerührt, mehr bleibt dazu nicht zu sagen. Von da an durften wir, unter größter Euphorie und Dankbarkeit über das Fortbewegungsmittel (das wir im Internet gar nicht gefunden hatten), unsere Reise genießen. Die atemberaubenden Landschaften der westlichen Highlands und Äußeren Hebriden sind definitiv jede Reise wert. Ich fühle mich noch immer ganz berauscht von den Eindrücken und Erlebnissen mit wilder Natur und lieben Menschen. Bilder, die wir ohne Auto und ohne diese wahnsinnige Hilfsbereitschaft in der letzten Woche niemals gesehen hätten. So schön und fremd auch das schottische Hochland war, am meisten beeindruckt bin ich von der unverhofften Hilfe. Wie abhängig wir doch immer wieder davon sind, wie uns die Menschen auf unserem Weg begegnen. Ganz gleich ob das System unserer Gesellschaft uns ein Schnippchen schlägt, wenn du an nette Menschen gerätst, ist alles möglich. Also, in diesem Sinne – seid nett zu einander!

Update 30.04.2020 Durch die Auswirkungen der Corona-Krise stehen Carmen und Phill, die hilfsbereitesten Menschen, die ich kenne, vor dem finanziellen Ruin. Hier geht's zum Crowdfunding.