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Gundermann, Rezept für Frühlingssuppe

Freitag, 2020-04-17 21:48, Eintrag von Diana
Kategorien: Kräuterküche



Ein viel zu kurzes Pflanzenporträt mit Blick auf die Geschichte des Krauts in der Volksmedizin.
Gundermann, (althochdeutsch Gunderebe) auch Donnerrebe und Guck durch den Zaun genannt, ist, laut Richard Willfort (Gesundheit durch Heilkräuter 1959), Bestandteil einer blutreinigenden Frühlingssuppe, die Alexander von Humboldt jeden Frühling zwei bis drei Wochen täglich gegessen hat:
Zwei Handvoll von einer frisch gepflückten Kräutermischung aus Gundermann, Schafgarbenblättern, Gänseblümchen, Brunnenkresse, Kerbelblättern, Brennnessel, und Spitzwegerichblättern werden unter fließendem Wasser abgespült, mit kaltem Wasser angesetzt und kurz zum Aufkochen gebracht. Die Suppe wird mit etwas Butter und leicht gebräuntem Mehl angerichtet. Dazu werden geröstete Schwarzbrotschnittchen mit Schnittlauch gereicht.

Ein ähnliches Rezept (allerdings als Salat) findet sich in dem Heilpflanzenbuch des Apothekers M. Pahlow (Das große Buch der Heilpflanzen 2000), der zusätzlich Birkenblätter empfiehlt. Dazu schreibt er: »Solche Salate sind in letzter Zeit immer beliebter geworden und werden mitunter sogar vom Arzt empfohlen, weil sie durch leichte Reizwirkung die Aktivität fast aller Körperorgane steigern, was das Wohlbefinden fördert.«

Die Pflanzenstoffe des Gundermann` sind für verschiedene Säugetiere giftig, beispielsweise für Pferde. Gleichzeitig haben sie nachgewiesene antibakterielle, entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften. Sesquiterpene, die in der Pflanze gefunden wurden, sollen auf einige Tumorzellen toxisch wirken (vgl. Wikipedia).
Trotzdem viele seiner Inhaltsstoffe, die aus anderen Heilkräutern gewonnen werden, auch in der Schulmedizin genutzt werden, ist der Gundermann dort ein Unbekannter.

In den Kräuterbüchern des Mittelalters (beispielsweise Hildegard von Bingen) wird er bereits gegen Husten und vieles mehr gerühmt. Donnerrebe soll laut Max Höfler 19. Jh. bereits von den alten Germanen verwendet worden sein. Das Vorkommen in antiken Quellen ist umstritten. Paulus von Aigina (Medicina pragmateia 7. Buch 7. Jh.) nennt ihn vielleicht als Erster (In der Ausgabe des Tabernaemontanus von 1731, die auf dem Foto zu sehen ist, wird er angeführt).

Während die Art im Garten meist als Unkraut behandelt wird, fällt eine Sorte mit panaschierten Blättern Glechoma hederacea ›Variegata‹ im Pflanzenhandel auf, die für Kübel, Hängeampeln und als Bodendecker angepriesen wird.

Der wissenschaftliche Name sei eine schlechte Ableitung vom griechischen ›glechon‹, dem Namen für Poleiminze, sagt der Madaus. Gundermann und Minze sind nicht nur verwandt (Lippenblütler), der kleine Tausendsassa enthält auch noch Menthol. Ich finde ihn köstlich in Schokolade.
Um das 16. Jh. wurde er vom Hopfen bei der Bierherstellung verdrängt.

Es gibt beim Menschen keine bekannten Nebenwirkungen, jedoch wurde Glechomin, ein Pflanzenbitterstoff des Gundermann` noch nicht wissenschaftlich untersucht.