wildes Grün an Wortsalat

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Frau Holle und die Wilde Jagd

Mittwoch, 2019-12-11 10:14, Eintrag von Diana
Kategorien: privater Zauber



In der Finsternis, einer Zeit des Übergangs,
tief in der Stille des Vergangenen ruhen wir,
bevor wir mit dem jungen Licht losbrechen in einen neuen Frühling.

In dieser Zeit liegen die Raunächte und laden uns ein, Vergangenes ebenso zu schauen, wie das Bevorstehende zu ergründen. Jetzt ist der Schleier zwischen den Welten dünn.

Meine Uroma stammt aus einer ländlichen Gegend in Oberschlesien. An einem Abend, wie heute, saß sie mit ihren Schwestern und Brüdern zusammen vor dem Ofen in der Stube im Schein einer Öllampe. Draußen gab es keine Laternen, erst in der nächsten Stadt. Sie wurden bei Sonnenuntergang angezündet und später wieder gelöscht. Gas war teuer. Weit entfernt von dem Licht eines Flachbildschirms hörte Martha gebannt die Geschichten der Smorra, des Wassermanns und auch der Frau Holle, die sie ihren Töchtern weitererzählte – von denen ich sie kenne.

Goldmarie und Pechmarie gelangen durch einen Brunnen in die Anderswelt. Frau Holle war damals bereits zu der tugendhaften alten Dame geworden, die Fleiß dort belohnt und Faulheit straft. Zumindest aber wissen wir noch, sie lässt es im Winter schneien. Ein Hollerbusch vor dem Haus bringt Glück. Im Umkehrschluss solltest Du ihn allerdings besser niemals fällen, das hat Frau Holle gar nicht gern.

In meinem letzten Beitrag habe ich ein wenig davon berichtet, welche Göttinnen mit Frau Holle in Verbindung stehen. Die Holle, Hulda oder Hludana hat eine düstere Seite von der heute kaum jemand weiß. Sie soll mit Hel, der Göttin der Unterwelt einige Gemeinsamkeiten haben, denn sie sammelt die Seelen der gestorbenen Kinder unter ihrem Mantel. Hinter der wilden Percht(a) steckt höchstwahrscheinlich die gleiche Idee. Das können die Menschen aus dem süddeutschen Raum, Österreich und Schweiz bestimmt viel plastischer beschreiben. Auch diese Gestalt straft die Faulen und belohnt die Fleißigen. In den Wolfsnächten streifen die Perchten mit Geheul und gruseligen Fratzen umher und machen dabei einen riesen Radau. Das würde ich mir gerne einmal ansehen!

In der germanischen Sagenwelt ist es Frigg, die an der Seite Odins die Wilde Jagd anführt. Ein Geisterheer der Seelen, die vor ihrer Zeit gehen mussten. Wenn Du nicht achtgibst, reißen sie Dich mit!
Frigg spinnt den Schicksalsfaden und gibt ihn den Nornen, damit sie die Schicksale der Menschen weben können. Doch während der Wilden Jagd steht die Spindel still und auch ein bisschen die Zeit von unserem Lebensband. In den Wolfsnächten sollen wir uns vor dem tobenden Sturm hüten und bei Dunkelheit nicht mehr vor die Tür gehen. Es kann auch geschehen, dass Du dann eine wunderbare Melodie hörst, in diesem Fall ist die Wilde Jagd freundlich gestimmt. Es ist für mich dennoch ein absurder Gedanke, dass der Weihnachtsmann seinen Schlitten von diesem wilden Göttervater haben soll (und wohl auch den Bart?). Na immerhin hatte er ja früher noch eine Rute dabei und eben nicht nur den Geschenkesack.

Bei den Kelten ist Cailleach, die Verkörperung des Winters, Teil der Dreifachengöttin, die den Stab ihrer Regentschaft am Ende des Winters unter einen Holunderbusch legt und sich in einen Stein verwandelt. Sie ist auch die Göttin des Todes. Die, welche alles gesehen hat, das was war, ist und sein wird. ›caille‹ bedeutet im Irischen Schleier.
In Candhun ist Vochâl das Pendant zu ihr, die Göttin, der meine Protagonistin aufgrund ihrer Gabe geweiht wurde.

Hexen und Christen erwarten jene Zeit mit dem gleichen Verzücken. Es sind die Tage vom 25.12 dem Tag nach Weihnachten bis 6.1. dem Tag der heiligen Drei Könige (Manche begehen sie vom 21.12 Wintersonnenwende bis 2.1., da dies als Ursprung vermutet wird). Die Menschen feiern vielerorts zu Beginn der Raunächte die Geburt des Licht(bringers) mit einem Fest, an dem ein immergrüner Baum geschmückt wird und das der Familie gilt. Meine Gedanken dazu gehen noch ein wenig tiefer. An Jul möchte ich sie mit Dir teilen.