wildes Grün an Wortsalat

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Gewählte Kategorie: Kräuterküche

Von der Großen Mutter, Maria und duftendem Gras

Samstag, 2019-12-07 09:42, Eintrag von Diana
Kategorien: Kräuterküche


In den alten Hochkulturen gab es sie und sie lebt bis heute fort. Auch für Candhun, meine Fantasy-Buchreihe, habe ich diesen Begriff verwendet – aus vollem Herzen. Sie hat viele Namen. Bei den Germanen hieß sie Frigg und war die Gattin von Odin (auch Freya ist damit verbunden, aber in der nordischen Dichtung davon zu unterscheiden. Sie gehört zu den Asen, während Frigg den Wanen, einem anderen Götterstamm zugeordnet wird). Bis ins 5. Jahrhundert durfte sie den Namen behalten, schließlich führten die römischen Einflüsse dazu, dass sie sich mehr und mehr mit Diana, der römischen Muttergöttin mischte. Lange zeit lebte sie dann als Frau Holle weiter, obwohl das Christentum bereits den alten Glauben abgelöst hatte. Bei den Christen selbst wird Maria als die Große Mutter verehrt. In diesem Zusammenhang habe ich die Schlussszene aus Marion Zimmer Bradleys ›die Nebel von Avalon‹ deutlich vor Augen. Avalon ist eben doch nicht an einem Tag untergegangen und ab und zu lichten sich selbst die Nebel der Zeit.

Wer mir bereits eine Weile folgt, weiß, ich habe neben dem Schreiben und der Mythologie noch eine andere Leidenschaft: die heimische Pflanzenwelt. Ich beschäftige mich seit meiner Kindheit mit Klostermedizin bzw Phytotherapie und Mythen über Pflanzen. Da ich in diesem Bereich studiert habe (Bio/Pharmazie) mehr aus der wissenschaftlichen Sicht. Jedoch ist es nicht einmal im Studium gelungen, die grüne Welt ihres Zaubers zu berauben.

Was hat das nun mit der Großen Mutter zu tun?

Heute will ich Dir etwas über das Ruchgras erzählen, das Du vermutlich noch nicht wusstest, und das ich unfassbar spannend finde :)

Mythologisches:
Eine besondere Gattung der Grasfamilie wird auch Mariengras (Hierochloe odorata) genannt. Es wurde wie viele andere duftende Kräuter der Großen Mutter geweiht, die später zu Maria wurde. So trägt es heute den Namen Mariengras oder auch Liebfrauenstroh und viele weitere mehr, die sich auf diese Herkunft beziehen. Das Gras wird noch heute Kräutermischungen beigefügt, die der Venus (wieder eine Große Mutter) geweiht sind und zum Räuchern verwendet.

Pflanzenstoff:
Es enthält Coumarin-Glykoside und riecht daher stark nach Waldmeister. In der Kosmetikindustrie werden diese seit Langem als Duftstoffe verwendet.
Getrocknet hält sich der Duft z.B. in Blumenarrangements. Wird es jedoch feucht, zersetzen sich diese Verbindungen und können als Rattengift genutzt werden. Die aromatischen getrockneten Blätter eignen sich als Tee.

Medizin:
Wenn Du zu den Menschen gehörst, die unter Heuschnupfen leiden, wirst Du Anthoxanthum odoratum (eine einheimische nahe Verwandte) nicht besonders mögen. Es blüht früh im Jahr, bereits im April. Allerdings wird in der Medizin daraus eine wohltuende Nasenlotion und verschiedene Mittel bereitet, die gegen Heuschnupfen helfen sollen. In der Medizin werden Dicoumarole als Gerinnungshemmer eingesetzt. Sie entstehen durch Fermentation aus Coumarin.


Beim nächsten Mal erzähle ich Dir mehr über Frau Holle und die Perchta, die ebenfalls ein und dieselbe sind und im Winter eine besondere Rolle in unserer Sagenwelt und den Raunächten spielt.


Kein Senf, kein Weizen, keine Lilie - ein Blütenrezept der Alternativen

Montag, 2018-06-18 15:00, Eintrag von Diana
Kategorien: Kräuterküche



Ohne langes Geschwafel möchte ich euch hier ein weiteres leckeres Rezept mit Taglilien vorstellen. Es kann nach Herzenslust variiert werden, da sich die großen prachtvollen Blüten selbst wunderbar als Salat anbieten.
Als ich es für euch getestet habe, gab es dazu Rouladen mit Knoblauchsraukenpesto statt Senf (Danke Lydia!) und Buchweizen als Beilage. Da der Buchweizen zu den Knöterichgewächsen zählt und eben kein Weizen ist, gibt es hier keine Gluten. Auch für eine vegetarische oder gar vegane Variante bietet er sich als geschmackvolle Alternative zu Reis oder Kartoffeln an.

Tagliliensalat nach Miche Bacher:

4 Handvoll Rucola (etwa 125g)
1 Avocado geschält, entsteint und in Scheiben geschnitten
Blütenblätter von 6 Taglilien (250ml)
etwas geriebener Hartkäse, gut passt z.B. alter Gouda
3 EL natives Olivenöl extra
2TL frischer Zitronensaft
¼ TL Meersalzflocken
frisch gemahlener Pfeffer nach Geschmack

Taglilien gehören nicht (mehr), wie der Name schon sagt, zu der Familie der Liliengewächse, sondern zu den Grasbaumgewächsen und sind damit Spargelartige. Der Spargel hat nämlich seit ein paar Jahren seine eigene Ordnung bekommen. Das ist dem Anspruch der Biologen geschuldet, die alte Systematik jetzt genetisch aufzuarbeiten.
Hemerocallis fulva, die Gelbrote Taglilie ist zur Zeit meine favorisierte essbare Blüte, weil sie selbst sehr viel Substanz bietet und eine umwerfende Figur auf dem Teller abgibt, findet ihr nicht?